Hamburg 20095
»Alliance, Infinity, Love – in the Face of the Other«
Ort
1. OG Galerie der Gegenwart
*Rémy Zaugg
Im Rahmen der 9. Triennale der Photographie Hamburg 2026 präsentiert die Ausstellung ABER ICH | DIE WELT | ICH SEHE | DICH* Werke von mehr als 40 internationalen Künstler*innen verschiedener Generationen.
Das erste Kapitel entschlüsselt (grabähnliche) Landschaften und eine Kultur der Obsoleszenz, die von historischen Erinnerungen durchdrungen und von persönlichen Erfahrungen, Mythen und Ideologien geprägt sind, oder aber die Frage, wie Bedeutung die latenten Bedeutungen der Bilder insgesamt beeinflusst. Es präsentiert Fotografien, Skulpturen, 16mm Filme und Videos, darunter Henry Fox Talbots The Haystack (1844) mit einer angelehnten Leiter; Henri Becquerels wissenschaftliche Bilder Phosphorescences invisibles und Beta Ray; ein Bild einer Leiter und eines Wachpostens, die durch den Blitz der auf Hiroshima abgeworfenen Atombombe an eine Wand gesprengt wurden und auf dieser ihren Abdruck hinterließen; Hiromi Tsuchidas ARBRE Pin, Camphrier, und Cerisier; On Kawaras Thanatophanies; Paul Grahams Corrupted Cherry Blossoms; Pierre Huyghes Dance for Radium; Alina Szapocznikows Photosculptures und Tumeurs series; Santu Mofokengs traumatische oder verseuchte Landschaften, in denen menschliche und geografische Körper gezwungenermaßen eine allmähliche Metamorphose durchlaufen; Jo Ractliffes Terreno Ocupado und As Terras do Fim do Mundo über die Landschaften und Überreste Angolas; Tacita Deans Kodak und The Tail End of Film; Willie Dohertys Videoinstallation Secretion; sowie das Lautgedicht The Man who is Afraid of Bombs von Raoul Hausmann.
Der Heuhaufen – ein Landschaftsrezitativ – offenbart die Erscheinungsweise von Objekten, deren Schwindel Duchamps Ready-mades vollenden werden, denn zwischen Ready-mades und Fotografie besteht eine sowohl offensichtliche als auch heimliche Verwandtschaft. Das zweite Kapitel der Ausstellung untersucht, wie Künstler*innen wie Marcel Duchamp, Alfred Stieglitz, Richard Hamilton, Marcel Broodthaers, Paul Thek, Dieter Roth, Sherrie Levine, Walid Raad, Jean-Luc Moulène, Emilio Prini, Fischli & Weiss und Seher Shah Fallschatten, optische Geräte, Artefakte und fotografische Aneignung nutzen, um den Zustand von Formen festzuhalten und als Matrix, als konstitutives Vehikel für die Organisation von Ideen, für eine Ökologie der Aufmerksamkeit. Sie teilen Verfahren, welche das Objekt und die Fotografie wieder in das Spiel der Erzählung einführen und die Bilder aus ihrem ursprünglichen bedeutungsgebenden Umfeld emanzipieren, wodurch sie eine Art fotografisches Unbewusstes extrahieren.
Das dritte und letzte Kapitel der Ausstellung konzentriert sich auf Protokolle, Bildbearbeitung und die Produktion von Objekten mit historischer und poetischer Anmutung, oder darauf, wie Künstler*innen in ihrer eigenen Praxis konstitutive Gesten, fotografisches oder archäologisches Material und Artefakte untersuchen und übersetzen, die neue Beziehungen zu Erinnerung, Intimität und Archiv herstellen. Indem sie Quellen nachverfolgen, aktivieren und miteinander verflechten, hinterfragen die Künstler*innen den Status des Bildes und »interpretieren neu, was Kunst tut oder was Kunst ausmacht« (Jacques Rancière). Indem sie verkörperte und emotionale Erfahrungen vorschlagen, in denen Ästhetik und Politik untrennbar miteinander verbunden sind, machen ihre Kunstwerke das Zusammenspiel zwischen kolonialer Geschichte und Gegenwart, Arbeit und Traditionen sowie Dokumenten und Vorstellungskraft sichtbar. Sie alle identifizieren Falten im Inhalt von Fotografien: die Details, die etwas über ein Bild verraten und jedes Mal die historischen Sedimente offenlegen. Mit den Künstler*innen Tina Modotti, Bahman Jalali & Rana Javadi, Hannah Darabi, Akram Zaatari, Sigmar Polke, Rosemarie Trockel, Helen Chadwick, Deana Lawson, Karimah Ashadu, Mario García Torres, Ailbhe Ní Bhriain, Yeh Shih-Chiang, Yeh Wei-Li, Saâdane Afif, Yto Barrada, Flaka Haliti, Taysir Batniji, Laura Henno, und Khadija Saye.
Die Hamburger Kunsthalle wird auch mit dem Internationalen Sommerfestival 2026 auf Kampnagel zusammenarbeiten und Nan Goldins ikonische Diashow The Ballad of Sexual Dependency aus der Sammlung des Museums, (die deutsche Premiere von) Monsters of Circumstances des Choreografen Xavier Le Roy sowie eine neu in Auftrag gegebene Performance von Saâdane Afif und Augustin Maurs, King Coal Laments / Musiques pour Tuyauterie präsentieren.
Künstler*innenliste:
Saâdane Afif, Karimah Ashadu, Yto Barrada, Taysir Batniji, Henri Becquerel, Marcel Broodthaers, Helen Chadwick, Hannah Darabi, Tacita Dean, Willie Doherty, Marcel Duchamp, Peter Fischli David Weiss, Mario García Torres, Nan Goldin, Paul Graham, Flaka Haliti, Richard Hamilton, Raoul Hausmann, Laura Henno, Pierre Huyghe, Bahman Jalali & Rana Javadi, On Kawara, Deana Lawson, Xavier Le Roy, Sherrie Levine, Tina Modotti, Santu Mofokeng, Jean-Luc Moulène, Ailbhe Ní Bhriain, Sigmar Polke, Emilio Prini, Walid Raad, Jo Ractliffe, Man Ray, Dieter Roth, Khadija Saye, Seher Shah, Alfred Stieglitz, Alina Szapocznikow, William Henry Fox Talbot, Paul Thek, Rosemarie Trockel, Hiromi Tsuchida, Yeh Shih-Chiang, Yeh Wei-Li, Akram Zaatari
*Rémy Zaugg
Kuratorin
- Dr. Corinne Diserens
Assistenzkuratorin
- Elisa Nessler